00:02
Ja?
00:17
Ist Mr. Nördlinger da?
00:19
Ich weiß nicht, Sir. Wer möchte Ihnen sprechen?
00:22
Mr. Huff.
00:23
Und um was geht es? Ich fuhr raus nach Glendale, um für eine Brauerei drei neue Lastwagenfahrer in die Firmenversicherung aufzunehmen.
00:32
Und da fiel mir diese Kfz-Police in Hollywood ein, die verlängert werden musste.
00:36
Was Persönliches.
00:38
Ich beschloss rüberzufahren.
00:41
wenn er nicht sagt, was er möchte.
00:42
Überhaupt mal reinzukommen, ist der kniffligste Teil meines Jobs. Verstehe. Und man rückt mit seinem Anliegen nicht heraus, bevor man nicht an der richtigen Adresse ist.
00:50
Ich habe Mr. Nördlinger gesagt, ich würde vorbeikommen, aber macht nichts. Ich komme ein andermal vorbei.
00:57
Ich tat so, als sei ich ein alter Freund, der über den Empfang, der ihm da bereitet wird, nicht gerade erfreut ist.
01:06
Es klappte. Hätte ich meine Energie auf den Versuch verwandt, draußen zu bleiben, hätte mir das vielleicht etwas gebracht.
01:13
Musik
01:28
Doppelte Abfindung. Kriminalhörspiel nach dem Roman Double Indemnity von James M. Cain.
01:34
Mein Mann ist gerade nicht da, aber ich bin Mrs. Nördlinger. Kann ich irgendwas für Sie tun?
01:39
Ich glaube nicht, Mrs. Nördlinger. Trotzdem vielen Dank. Mein Name ist Walter Hough von der General Fidelity of California. Die Kfz-Police ihres Mannes wird in zwei Wochen auslaufen. Und weil ich ihm versprochen habe, ihn daran zu erinnern, dachte ich, ich schaue mal vorbei. Aber natürlich wollte ich Sie damit nicht behelligen.
01:56
Mein Mann hat mal über den Automobilclub nachgedacht, über die Versicherung dort.
02:00
Mir blieb nichts übrig, als weiter zuzuhören. Ist er denn Mitglied?
02:03
Nein, er hat immer vorgehabt einzutreten, aber irgendwie hat er es nicht geschafft.
02:07
Wenn man so vielen Leuten Versicherungen verkauft wie ich, hat man es im Gefühl, wie das Geschäft läuft. Und nach einer Weile war mir klar, dass diese Frau mit dem Automobilclub nichts, aber auch rein gar nichts am Hut hatte.
02:19
Aber der Vertreter vom Club war da und der hat die Versicherung erwähnt.
02:22
Ihr Mann vielleicht, aber nicht sie.
02:25
Außerdem ist sie billiger.
02:26
Da gab es noch was. Das hier war reine Zeitschünderei. Ich überlegte gerade, was ich hier sagen sollte. Da sah ich etwas, das mir vorher nicht aufgefallen war. In diesem blauen Hosenanzug steckte eine Figur, die einen Mann um den Verstand bringen konnte, auch eine Unfallversicherung abschließen?
02:53
Ich weiß, Mr. Keyes, diese Frage hätte auch Sie stutzig gemacht. Nicht umsonst leiten Sie seit Jahren die Schadensabteilung unserer Versicherungsgesellschaft. Lassen Sie mich dennoch für andere, die nicht vom Fach sind und die vielleicht meinen Bericht lesen müssen, deutlicher werden. Bei uns kann man jede Versicherung abschließen. Erstens werden Unfallversicherungen verkauft und nicht gekauft.
03:13
Nachfrage besteht nach Feuer, Einbruch selbst nach Lebensversicherungen, aber niemals nach Unfallversicherungen. Es riecht etwas streng, wenn jemand danach fragt. Zweitens. Dollar um Dollar, bar auf den Tisch, ist die Schadensersatzsumme nirgendwo größer als bei einer Unfallversicherung.
03:32
Soll ich mit meinem Mann darüber reden, Mr. Haft?
03:34
Das wäre nett von Ihnen, Mrs. Nördlinger.
03:37
Könnten Sie morgen Abend kommen, sagen wir halb acht, dann haben wir gegessen.
03:41
Und drittens ist es die einzige Versicherung, die man abschließen kann, ohne dass der Versicherte es weiß.
03:53
Guten Abend, Mr.
03:53
Haft. Als ich in mein Büro zurückkam, war Nettie, meine Sekretärin, gerade im Aufbruch.
03:59
Ich habe Ihnen einen Notizzeitel auf den Schreibtisch gelegt, wegen einer Mrs. Nördlinger.
04:04
Sie hat vor zehn Minuten angerufen. Sie hat gesagt, es passt nicht, wenn Sie morgen Abend wegen der Verlängerung vorbeikommen. Sie will sich melden. Belle hat heute frei.
04:16
Drei Tage später rief sie an und ließ mir ausrichten, halb vier wäre ihr Recht.
04:23
Zitrone?
04:24
Nein, danke.
04:25
Zwei?
04:26
Kein Zucker, ohne alles.
04:28
Kein Freund von Süßen? Ich habe geschäftlich viel mit Chinesen zu tun. Sie haben mich von der amerikanischen Art, Tee zu trinken, weggebracht. Ich glaube, Sie schauen meine Sommersprossen an.
04:41
Ja, sie gefallen mir.
04:43
Mir nicht?
04:44
Mir schon.
04:47
Ich habe mir früher immer einen Turban um die Stirn gebunden, wenn ich in die Sonne ging. Aber ich musste damit aufhören.
04:53
Warum?
04:54
Es blieben zu viele Leute stehen und wollten, dass ich ihnen ihre Zukunft vorhersage.
04:59
Sie sagen einem also nicht die Zukunft voraus?
05:02
Das ist eine kalifornische Fähigkeit, die ich nie erlernt habe.
05:06
Was ist mit der Versicherung?
05:08
Er wird bei Ihnen verlängern.
05:10
Das freut mich.
05:12
Von der Unfallversicherung habe ich ihm nichts gesagt.
05:16
Nein?
05:18
Ich kann mit ihm über sowas nicht sprechen.
05:22
Das kann ich verstehen.
05:23
Und doch, Sehen Sie, mein Mann vertritt die Western Pipe and Supply Company. Die meiste Zeit ist er auf den Ölfeldern.
05:33
Ganz schön gefährlich dort.
05:34
Das macht mich ganz krank, wenn ich daran denke.
05:38
In diesem Beruf sollte man kein Risiko eingehen.
05:41
Mr. Huff, wäre es möglich, dass ich eine Versicherung für ihn abschließe, ohne ihn damit zu behelligen?
05:50
Es konnte für mich kein Zweifel bestehen, was sie meinte. Nicht nach 15 Jahren im Versicherungsgeschäft. Ich drückte meine Zigarette aus und wollte gehen.
06:00
Ich habe sie schon die ganze Zeit gemocht.
06:03
Das glaube ich nicht. Ich tat Folgendes. Ich legte meinen Arm um sie, zog ihr Gesicht an meines und küsste sie auf den Mund.
06:17
Zuerst starrte sie mich kalt an. Dann schloss sie die Augen, zog mich an sich und erwiderte meinen Kuss.
06:25
Sie müssen gehen.
06:26
Sehe ich Sie bald?
06:29
Vielleicht? Bald. Belle hat nicht jeden Tag frei.
06:38
Ich wohne in einem Bungalow in den Los Phyllis Hills. An jenem Abend regnete es. Deshalb ging ich nicht aus.
06:48
Ich machte Feuer, saß da und versuchte herauszukriegen, woran ich war. Ich war kurz davor, eine abgrundtiefe Dummheit zu begehen und sagte mir die ganze Zeit, du musst da raus. Kurz vor neun läutete es.
07:07
Ich wusste gleich, wer es war. Wie haben Sie meine Adresse rausgekriegt?
07:11
Es gibt Telefonbücher.
07:13
Oh.
07:13
Überrascht?
07:14
Nein.
07:15
Das gefällt mir. So viel Selbstgefälligkeit ist mir selten untergekommen.
07:19
Ihr Mann ist nicht zu Hause?
07:22
Long Beach. Sie bohren ein neues Loch.
07:25
Tolle Gegend.
07:26
Lola, habe ich gesagt, ich bin im Kino.
07:29
Wer ist Lola?
07:30
Meine Stieftochter. Jung? 19. Freuen Sie sich, mich zu sehen?
07:37
Klar.
07:39
Ich habe heute Nachmittag ein bisschen den Kopf verloren.
07:41
Hm.
07:42
Nicht sehr.
07:43
Ein bisschen.
07:44
Tut es Ihnen leid?
07:45
Ein bisschen. Ich habe sowas noch nie getan. Nicht seit ich verheiratet bin. Deshalb bin ich hier. Sehen Sie, ich liebe meinen Mann. In letzter Zeit mehr denn je.
07:59
Warum in letzter Zeit?
08:02
Sorgen.
08:05
Sie machen sich Sorgen, dass in einer regnerischen Nacht, wie heute, auf den Ölfeldern von Long Beach ein Block von einem Kran auf ihn herabfallen könnte.
08:16
Bitte reden Sie nicht so.
08:18
Aber das stellen Sie sich vor.
08:20
Ich verstehe nicht ganz.
08:21
Naja, genau das wird passieren.
08:25
Genau was?
08:26
Ein Block wird auf ihn herabfallen.
08:28
Das ist wirklich nicht zum Lachen, Mr. Huff. Wieso sagen Sie das?
08:32
Sie werden einen Block auf ihn herabfallen lassen.
08:36
Wie bitte?
08:37
Naja, vielleicht nicht gerade einen Block von einem Kran, aber irgendetwas, irgendetwas, das zufällig, absichtlich auf ihn herabfällt. Und dann wird er tot sein.
08:48
Ich bin nicht hergekommen, um mir solche Sachen anzuhören.
08:50
Gut.
08:51
Ich gehe jetzt.
08:51
Gut.
08:52
Und zwar sofort.
08:53
Gut.
09:00
Ich bin nicht mal aufgestanden, als sie ging. Ich habe ihr nicht in den Mantel geholfen und sie nicht nach Hause gefahren. Ich habe sie behandelt wie eine streunende Katze. Dabei wusste ich die ganze Zeit, dass es am nächsten Abend immer noch regnet. Dass in Long Beach immer noch gebohrt wird. Dass ich wieder vor meinem Kamin sitze und es kurz vor neun an meiner Tür klingelt.
09:26
Wie konnten Sie gestern Abend nur so etwas sagen?
09:30
Weil es stimmt.
09:32
Walter, mir ist inzwischen klar geworden, dass ich ein paar Dinge gesagt habe, die Ihnen einen völlig falschen Eindruck vermitteln könnten. Irgendwie bin ich direkt froh, dass Sie mich gewarnt haben.
09:41
Sie haben mich Walter genannt. Wie heißen Sie eigentlich?
09:45
Phyllis.
09:46
Phyllis. Sie glauben anscheinend, dass Sie es nicht tun können, weil ich Sie belasten könnte. Aber Sie werden es tun. Und ich werde Ihnen dabei helfen.
09:58
Sie? Ja.
10:01
Ich. Ich kann mir doch dabei nicht helfen lassen.
10:05
Es wäre sogar besser, wenn Ihnen jemand dabei hilft. Natürlich ist es schön, es alleine zu schaffen, ohne Mitwisser. Der Haken dabei ist, es geht nicht. Nicht, wenn Sie es mit einer Versicherungsgesellschaft aufnehmen.
10:17
Und wofür würden Sie es tun?
10:20
Erstens, für Sie.
10:23
Zweitens?
10:25
Für Geld.
10:30
Bitte, Walter. Hindern Sie mich dran. Wir können es nicht tun. Es ist der reine Wahnsinn.
10:37
Stimmt. Es ist der reine Wahnsinn.
10:40
Eigentlich habe ich gar keinen Grund. Er behandelt mich gut. So gut wie ein Mann eine Frau nur behandeln kann. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich ihn liebe, aber er hat mir noch nie etwas getan.
10:52
Trotzdem werden Sie es tun.
10:53
Ja. Gott, steh mir bei. Ich werde es tun.
10:56
Ein oder zwei Abende später unterhielten wir uns so beiläufig darüber, als handelte es sich um einen Ausflug ins Gebirge.
11:03
Er will einen Swimmingpool bauen im Frühling.
11:06
Und?
11:07
Ich dachte, man kann es so aussehen lassen, als hätte er sich beim tauchenden Kopf angeschlagen.
11:10
Kommt nicht in Frage.
11:11
Warum? Sowas passiert doch, oder?
11:14
Vor fünf oder sechs Jahren hat so ein Versicherungshaini in einer Zeitung geschrieben, dass die meisten Leute in ihrer eigenen Badewanne verunglücken. Seitdem denken alle, die ein Ding drehen wollen, zuerst an Badewannen, Swimmingpools und Fischteiche. Du meinst vielleicht, du bist imstande, es so zu drehen, dass niemand dahinter kommt? Die kommen dahinter. In zwei Sekunden, garantiert. In drei Sekunden haben sie es bewiesen und in vier Sekunden hast du gestanden, Phyllis. Nein.
11:39
So geht es nicht. Deine Idee mit dem Swimmingpool hat nämlich einen weiteren Haken. Es springt nichts dabei raus. Nichts. Aber Sie müssen doch zahlen. Klar, müssen Sie zahlen. Aber wie viel? Die richtig großen Summen gibt es nur beim Zugunglück.
11:54
Ein Zugunglück?
11:55
Ja. Die Versicherungen haben längst gemerkt, dass das, was die meisten Leute für gefährlich halten, überhaupt nicht gefährlich ist. Die Leute glauben zum Beispiel, ein Zug sei ein gefährlicher Aufenthaltsort. Oder jedenfalls haben sie das geglaubt, als Zugfahrer noch etwas Ungewöhnliches war. Aber in Zügen wird kaum jemand verletzt. Geschweige denn, er kommt zu Tode. Deshalb gibt es bei Unfallversicherungen eine Klausel, die sich für den, der Angst vor Zugreisen hat, gut anhört. Die Firma aber nicht viel kostet, weil sie weiß, dass er mit großer Sicherheit wohlbehalten ankommt. Bei Zugunglücken wird die doppelte Versicherungssumme ausgezahlt.
12:27
Die doppelte?
12:28
Genau da sahnen wir ab.
12:31
50.000 Dollar?
12:33
Nicht übel, was? Mein Gott. Er weiß alles von der Versicherung. Und er weiß doch nichts. Er stellt einen Antrag, schriftlich, und stellt doch keinen. Er stellt mir einen Scheck aus und tut es doch nicht. Er hat einen Unfall und hat doch keinen. Er besteigt den Zug und besteigt ihn doch nicht.
12:54
Wovon redest du?
12:55
Das wirst du schon noch merken.
13:01
Musik Musik Musik Musik Musik
13:31
In ihrem Büro warten zwei Kunden.
13:32
Nachts liege ich wach und decke mir selbst Tricks aus, damit ich auf sie vorbereitet bin.
13:37
Eine Miss Lola Nördlinger und ein Mr. Sacchetti, glaube ich. Den Vornamen habe ich nicht verstanden.
13:42
Und eines Nachts komme ich auf den Gedanken, das Roulette-Rad selber manipulieren zu können. Wenn ich nur draußen einen Komplizen finde, der für mich den Einsatz macht. Miss Nördlinger, was kann ich für Sie tun?
13:56
Wir wollen Sie um einen Gefallen bitten. Sie sind selbst schuld dran.
14:00
Wieso denn das?
14:01
Weil Sie neulich abends, als Sie wegen der Versicherung bei uns waren, zu Vater sagten, er kann Geld auf seinen Wagen kriegen, wenn er welches braucht. Da wollten wir mal nachhaken. Oder jedenfalls Nino.
14:12
Nino?
14:14
Benjamino Sacchetti.
14:16
Mr. Sacchetti. Sie möchten sich also Geld auf Ihren Wagen leihen? Ja, Sir. Was für ein Wagen?
14:23
Ein dunkelblauer Ford. Coupé.
14:25
Baujahr?
14:26
31.
14:27
Auf Ihren Namen zugelassen?
14:28
Ja.
14:29
Bezahlt?
14:30
Ja, Sir.
14:31
Und sind Sie ganz sicher, dass Sie auf diesen Wagen Geld leihen möchten? Wenn Sie nicht absolut sicher sind, es zurückzahlen zu können, ist das eine todsichere Methode, dem Wagen loszuwerden. Die ganze Gebrauchtwagenbranche lebt von Leuten, die dachten, sie könnten ein kleines Darlehen zurückzahlen.
14:45
Bei Nino ist das anders. Er war die ganze Zeit mit seiner Doktorarbeit beschäftigt. Jetzt muss er seine Dissertation veröffentlichen. Dafür braucht er das Geld.
14:55
Wie viel brauchen Sie?
14:56
250 Dollar müssten reichen.
14:59
Geben Sie mir ein oder zwei Tage Zeit. Ich denke, das lässt sich machen. Wir brauchen dann einen Zweitschlüssel Ihres Wagens. Das ist so üblich.
15:07
Ich bin Ihnen so dankbar, Mr. Huff.
15:17
Alles, was ich bisher berichtet habe, geschah Ende des Winters ungefähr Mitte Februar 1934. Und dann bin ich den ganzen Frühling hindurch nicht mehr viel zum Schlafen gekommen.
15:28
Wer sich auf sowas einlässt, ohne jede Nacht x-mal aufzuwachen, hat bessere Nerven als ich.
15:33
Er fährt zum Klassentreffen nach Palo Alto.
15:35
Wann? Denn es gab einiges, zu dem uns nichts einfiel.
15:38
Im Juni in sechs Wochen.
15:39
Zum Beispiel, wie wir ihn in den Zug kriegen sollten. Das ist es.
15:44
Aber er will den Wagen nehmen, er hasst Züge, ihm wird schlecht. Sollen wir die Idee mit dem Zug nicht lieber fallen lassen?
15:49
Hör zu, entweder Zug oder gar nicht.
15:51
Keine Güte, deswegen musst du mich doch nicht gleich anschnaufen.
15:53
Für mich gibt's keine halben Sachen.
15:55
Nein.
15:56
Lass das denken. Zwei oder drei Tage später trat der glückliche Zufall ein.
16:00
Walter? Ja? Es ist was passiert. Die Fahrt nach Palo Alto hat sich erledigt. Er hat sich das Bein gebrochen. Was? Im Augenblick ist er im Krankenhaus. Lola ist bei ihm.
16:09
Was für ein Bruch ist es? Schlimm?
16:11
Unten am Knöchel nicht weiter schlimm.
16:13
Hängt der Fuß in einer Schlinge?
16:14
Nein, ein Gewicht liegt darauf. Es kommt in einer Woche weg, aber dann kommt sein Bein in Gips.
16:21
Mit einem Gipsverband kann er gehen. Und zwar an Krücken. Mit einem Gipsverband kann er nicht Auto fahren. Er wird den Zug nehmen müssen. Das ist es, Phyllis. Nein, noch einmal.
16:32
Walter, ich habe keine Lust mehr.
16:34
Sein Zug geht morgen 21.45 Uhr. Wir haben nur noch heute Abend. Wir werden kein Wort mehr miteinander reden können, Phyllis.
16:41
Okay.
16:43
Sobald ich weiß, welchen Anzug er trägt, gehe ich in den Drugstore und rufe dich an. Wahrscheinlich wird es der blaue.
16:49
Wir müssen sicher sein.
16:51
Ja, ja. Ich fahre los, halte neben dem Baum hinter der ersten Kurve. Ich habe meine Handtasche vergessen.
17:00
Ich bitte ihn... Nicht bitten! Das haben wir doch schon hundertmal durchgekaut.
17:07
Er wird mich fragen, warum ich keine Rücksicht nehme auf sein gebrochenes Bein und selbst aussteige.
17:11
So ist es.
17:12
Also bleibe ich sitzen, rede stur vor mich hin, bis Herbert schäumt aus Angst, seinen Zug zu verpassen. Denn Märtyrer spielt, aussteigt und meine Tasche holt.
17:21
Perfekt. Ich steige in den Wagen und kauere mich auf den Boden hinter seinen Sitz.
17:25
Sobald er wieder eingestiegen ist, verwickle ich ihn in ein Gespräch. Was ist, wenn Herbert eine seiner widerlichen Zigarren rauchen will?
17:33
Im Wagen kann ich es nicht... Lass es ihm durchgehen. Als Belohnung.
17:37
Gut. Ich fahre nicht zu schnell und bremse nicht scharf. Eine halbe Meile vor dem Bahnhof drücke ich zweimal auf die Hupe. Dann halte ich an.
18:02
Ich habe mich aufgerichtet, ihm die Hand um den Mund gelegt und seinen Kopf zurückgezogen. Er hat meine Hand mit seinen Händen gepackt. Die Zigarre hat er immer noch zwischen den Fingern gehalten. Ich habe sie ihm mit der freien Hand weggenommen und ihr gegeben. Dann habe ich eine der Krücken gepackt und sie ihm unters Kinn gehakt. Was ich dann getan habe, werde ich Ihnen nicht schildern.
18:31
Jedenfalls lag er zwei Sekunden später mit gebrochenem Genick auf seinem Sitz.
18:36
Mit Verletzungen an Kopf und Hals wurde die Leiche Herbert S. Nördlingers gestern kurz vor Mitternacht, etwa zwei Meilen nördlich der Stadt, auf den Bahngleisen gefunden. Es wird vermutet, dass er vom Zug fiel.
18:50
Die Polizei wies darauf hin, dass er sich vor einigen Wochen das Bein gebrochen hatte und auf der hinteren Aussichtsplattform des Zuges, wo er zuletzt lebend gesehen wurde, das Gleichgewicht möglicherweise deshalb verlor, weil er den Umgang mit Krücken noch nicht gewohnt war. Klarer Fall von Selbstmord. Unsere Polizei deckt nur Unfälle ab. Meine Herren, wir zahlen keinen Cent. Wirklich? Erstens hat Nördlinger die Versicherung abgeschlossen, und zwar heimlich. Er hat weder seiner Frau, seiner Tochter, seiner Sekretärin oder sonst jemanden etwas davon erzählt.
19:25
Huff, wenn Sie hier auf Draht gewesen wären, hätten Sie merken müssen... Was denn? Nördlinger schließt bei Ihnen eine Unfallversicherung ab und drei Wochen später verunglückt er. Kein Grund, sauer zu sein, Huff. Aber Sie müssen zugeben, das ist merkwürdig.
19:39
Das ist überhaupt nicht merkwürdig. Sowas passiert alle Tage. Wenn die Familie versucht hätte, ihn zu versichern, ohne dass er es weiß, das wäre merkwürdig.
19:46
Stimmt. Ziehen Sie Huff da nicht rein, Mr. Norton. Keith, ich sage Ihnen nur... Huff hätte es auf jeden Fall vermerkt, wenn ihm was komisch vorgekommen wäre.
19:55
Na gut, der nächste Punkt. Er hat sich ein Bein gebrochen und keinen Schadensanspruch angemeldet. Warum wohl? Er hatte fest vor, Selbstmord zu begehen und mußte befürchten, daß seine Familie von dieser Versicherung erfährt.
20:13
Ja und? Ja, wenn die Familie uns dann anruft, annullieren wir doch die Versicherung auf der Stelle, oder? Ja und? Für mich ist das die endgültige Bestätigung. Klarer Fall von Selbstmord.
20:23
Es war kein Selbstmord.
20:28
Mr. Norton, hier steht, was die Versicherungsstatistiker zum Thema Selbstmord zu sagen haben. Wenn Sie das mal studieren, verstehen Sie vielleicht mehr von der Versicherungsbranche.
20:36
Ich bin in der Versicherungsbranche groß geworden, Keith.
20:39
Sie sind in Groton und Harvard groß geworden, Mr. Norton. Während man Ihnen dort das Rudern beibrachte, habe ich diese Tabellen studiert. Schauen Sie es sich an.
20:47
Hier die Selbstmorde geordnet nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Alter, Beruf, Wohnort, Jahreszeiten. Hier die Methoden Gift, Feuerwaffen, Gas, Ertrinken, Sprünge. Hier Selbstmord durch Gift unterteilt in Geschlecht, Rasse, Alter, Tageszeit. Hier Selbstmord durch Gift unterteilt in Cyanid, Quecksilber, Strichnin und 38 weitere Giftsorten. Und hier die Sprünge von hochgelegenen Standorten vor Züge, vor Lastwagen, Pferdehufe, Dampfer. Aber unter diesen Millionen von Fällen gibt es nicht einen einzigen Sprung vom Ende eines Zuges.
21:19
Dieser Fall kommt nicht vor. Könnte aber möglich sein. Ach, wirklich? Dort, wo die Leiche gefunden wurde, fährt der Zug höchstens 15 Meilen pro Stunde. Kann jemand, der da abspringt, ernsthaft damit rechnen, dass er ums Leben kommt?
21:32
War kein Selbstmord. Was denn sonst? Das wissen Sie doch. Mord?
21:38
Mord. Ein Moment, Kies, ein Moment. Was haben Sie für Beweise? Keine. Und wen haben Sie unter Verdacht?
21:44
Der Nutznießer unserer Versicherung steht automatisch unter Verdacht. Sie meinen die Frau? Ich meine die Frau. Aber die ist doch gar nicht auf dem Zug gewesen. Dann war es jemand anderes. Haben Sie eine Ahnung wer? Nicht die geringste. Und das ist alles? Was sollen wir jetzt tun? Wir zeigen Sie an. Mordverdacht. Wir verlangen Einzelhaft. Die vollen 48 Stunden, die das Gesetz zulässt. Wir trennen Sie von Ihrem Komplizen.
22:07
In der Zwischenzeit nimmt die Polizei sie in die Mangel. Angenommen, die finden nichts. Angenommen, es war ein Unfall. Überlegen Sie, was das für uns bedeutet. Sie kann uns verklagen. Die Geschworenen werden ihr alles geben, was sie will. Jeden Penny. Sie bricht uns das Genick. Wir gehen nicht gegen Sie vor? Noch nicht, Kies. Noch nicht. Später. Vielleicht.
22:30
Ihr Vater... Hätte genauso gehandelt. Nein. Nein.
22:33
Er hätte anders gehandelt. Der alte Norton konnte eine Gelegenheit beim Schopf packen. Tja, ich bin eben nicht mein Vater. Sie tragen die Verantwortung.
22:55
Mrs. Nördinger, ist das Ihr Mann?
23:00
Ja, das ist er, euer Erdmann.
23:03
Sie dürfen wieder Platz nehmen. Mr. Davis, Sie haben angegeben, am Abend des 3. Juni kurz vor Abfahrt des Schnellzuges nach San Francisco, die Reisetasche und den Aktenkoffer eines Fahrgastes in Abteil 8, Wagen C gebracht zu haben?
23:20
Abteil 8, Wagen C, exakt.
23:23
Ist das der Fahrgast? Exakt, euer Ehren. Sie dürfen wieder Platz nehmen.
23:28
Mr. Jackson, Ihren Angaben zufolge haben Sie sich am 3. Juni gegen 21.45 Uhr auf der Aussichtsplattform des Schnellzuges nach San Francisco aufgehalten?
23:39
Ja, euer Ehren.
23:41
Sie haben weiter angegeben, kurz vor Abfahrt des Zuges sei ein Mann an Krücken zu Ihnen auf die Aussichtsplattform gekommen?
23:47
Ja, euer Ehren. Ist das der Mann?
23:50
Ja, euer Ehren.
23:51
Sie dürfen wieder Platz nehmen. Meine Damen und Herren Geschworenen, wie lautet Ihr Urteil? Ja.
23:59
Am Abend des 3. Juni 1934 gegen 22 Uhr ist Herbert S. Nördlinger durch Genickbruch infolge eines Sturzes vom Zug ums Leben gekommen. Die näheren Umstände sind der Jury nicht bekannt.
24:13
Ich habe inzwischen der Polizei unseren Mordverdacht mitgeteilt. Man sagte mir, anfangs hätten sie auch daran gedacht, jetzt nicht mehr. Die haben auch ihre Bücher, Kies. Anscheinend haben die noch nie von einem Mordversuch gehört, bei dem jemand vom letzten Wagen eines langsam fahrenden Zuges gestoßen wurde.
24:30
Er ist vom Zug gefallen. Guten Tag, meine Herren.
24:34
Sie bleiben beim Mord?
24:36
Auch wenn ich keine Beweise habe, mein Instinkt sagt mir kein Unfall. Kein Selbstmord.
24:42
Was sagt Ihnen Ihr Instinkt noch?
24:43
Er ist nie im Zug gewesen. Jemand hat seine Krücken genommen und ist an seiner Stelle in den Zug. Sie hatten zwei Autos. Dieser jemand hat seinen Wagen in Burbank stehen lassen und ist vom Zug gesprungen. Dort hat die Mrs. Nördling erwartet mit der Leiche ihres Mannes in ihrem Wagen. Dann haben sie die Leiche auf die Schienen gelegt und sind nach Burbank zurückgefahren. Er ist in seinen Wagen umgestiegen, sie ist weitergefahren und hat sich um 22.20 Uhr ein Eis gekauft. In einem Drugstore. Sie hatte dazu alle Zeit der Welt.
25:12
Ganz schön raffiniert. Was wollen Sie tun?
25:16
Die Frau beobachten rund um die Uhr jede Bewegung, alles, was sie tut. Früher oder später muss ich ihr Komplizier mal zeigen.
25:22
Ich saß in der Falle. Das war mir klar. Wenn sie vor Gericht ging und dem Zeugenstand den Kopf verlor, wer weiß, was dann passierte.
25:34
Da ist wieder diese Miss Nördlinger. Sie wartet in ihrem Büro.
25:39
Ging sie nicht vor Gericht, war es noch schlimmer.
25:42
Wenn sie keinen Versuch machte, die Versicherungssumme zu kassieren, würde das ziemlich komisch aussehen. Wie geht es Ihrer Stiefmutter?
25:51
Phyllis. Den Umständen entsprechend gut.
25:56
Die Nachricht hat mich tief erschüttert. Eine furchtbare Geschichte.
26:00
Ja.
26:03
Und wie geht es Mr. Sacchetti?
26:05
Über Mr. Sacchetti möchte ich nicht reden.
26:08
Ich dachte, Sie wären mit ihm befreundet.
26:10
Ich möchte nicht über ihn reden.
26:12
Entschuldigen Sie.
26:13
Mr. Huff, Sie haben einmal etwas für mich getan, oder zumindest hatte ich das Gefühl, es war für mich...
26:20
Das stimmt.
26:22
Seit damals habe ich Sie immer als Freund betrachtet. Deshalb bin ich auch hier. Ich möchte mit Ihnen sprechen, wie mit einem Freund.
26:30
Aber sicher.
26:33
Es muss streng unter uns bleiben. Klar. Ich habe ganz vergessen, dass ich Sie ja Walter nennen soll.
26:38
Und ich Sie Lola.
26:40
Es geht um meinen Vater. Ja?
26:42
Ja.
26:44
Um seinen Tod. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, da steckt etwas anderes dahinter.
26:52
Ich verstehe nicht ganz.
26:54
Ich verstehe es selbst nicht genau.
26:59
Ein oder zwei Zeugen haben uns gegenüber angedeutet, dass sich ihr Vater vielleicht selbst umgebracht hat. Ist es das?
27:06
Nein, Walter.
27:07
Was dann?
27:09
Meine Mutter war lungenkrank.
27:12
Deswegen hatten wir eine kleine Hütte am Lake Arrowhead. Meine Mutter fuhr hin mit ihrer besten Freundin. Es war der Höhepunkt der Wintersport-Saison. Am Mittwoch bekam sie eine Lungenentzündung. Am Freitag wurde ihr Zustand kritisch. Ihre Freundin lief zwölf Meilen durch Schneeverwehungen, um einen Arzt zu holen. Als er kam, lag meine Mutter im Sterben.
27:36
Und?
27:37
Wissen Sie, wer diese beste Freundin war?
27:40
Phyllis.
27:42
Ja, und?
27:43
Warum ist Phyllis so weit gelaufen? Warum hat sie nicht von unterwegs telefoniert? Warum ist sie nicht einfach mit Schlittschuhen über den See? Es hätte sie nur eine halbe Stunde gekostet.
27:53
Lola...
27:54
Warum hat sie den Arzt nicht schon früher geholt?
27:55
Moment mal, Lola, ein Arzt ist immer noch ein Arzt. Und wenn ihre Mutter eine Lungenentzündung hatte...
28:01
Sie kennen Phyllis nicht. Sie war Krankenschwester, eine der besten in Los Angeles, auf Lungenkrankheiten spezialisiert. Sie kann auf die Minute Beginn einer Krise erkennen und sie weiß auch...
28:13
wie man eine Lungenentzündung herbeiführt.
28:17
Was wollen Sie damit sagen?
28:21
Meinen Sie, Phyllis wäre nicht imstande gewesen, meine Mutter in die Nacht zu schicken, raus in die Kälte und sie so lange nicht mehr reinzulassen, bis sie halb erfroren ist? Meinen Sie, sie ist so süß, wie sie aussieht? Mein Vater hat es geglaubt. Kein Jahr später hat er sie geheiratet.
28:39
Haben Sie Beweise?
28:40
Es gibt keine Beweise.
28:43
Es ist nur ein Verdacht. Mehr nicht.
28:50
Was soll ich Ihrer Meinung nach tun?
28:54
Nichts. Nur zuhören.
28:57
Den halben Nachmittag habe ich darüber nachgedacht, ob ich Ihnen, Mr. Keyes...
29:03
von Lolas Verdacht erzählen soll. Es wäre besser gewesen, zu meinem eigenen Schutz, klar. Ich hätte schlecht dagestanden, wenn Sie herausbekommen hätten, dass ich es gewusst habe, ohne Ihnen etwas zu sagen. Jetzt hat er sich gezeigt. Trotzdem habe ich es nicht über mich gebracht.
29:18
Wer? Dieser Kerl im Fall Nördlinger. Er ruft sich jeden Abend an. Fünfmal die Woche.
29:24
Wer ist es? Ist nicht so wichtig.
29:27
Jetzt geht's los. An diesem Abend bin ich länger in der Firma geblieben. Sobald der Nachtwächter seine 8 Uhr Runde auf meinem Stockwerk beendet hatte, bin ich in Ihr Büro, Mr. Keyes. Ich habe versucht, Ihren Schreibtisch zu öffnen. Er war abgeschlossen. Ich habe versucht, Ihre Aktenschränke zu öffnen. Wir waren verschlossen.
29:53
Keiner meiner Schlüssel hat gepasst.
29:55
Was Ihren Vorschlag betrifft, den Agenten Haft hinsichtlich seiner Verbindung zum Fall Nördlinger überwachen zu lassen.
30:01
Dann habe ich Ihr Diktiergerät gesehen. Bin ich völlig anderer Meinung. Ich habe die Schutzhülle abgenommen.
30:06
Natürlich steht auch hier der Agent automatisch unter Verdacht. Und ich habe nicht versäumt, in Bezug auf Haft, alles Notwendige zu unternehmen. Seine Aussagen stimmen genau mit den Fakten über ein, sowohl mit unseren Unterlagen, als auch mit denen des Toten.
30:23
Ich habe sogar ohne sein Wissen überprüft, wo er am Abend des Verbrechens war, und herausgefunden, dass er den ganzen Abend zu Hause verbracht hat. Punkt. Ich würde dringend empfehlen, die ganze Idee fallen zu lassen. Absatz 8.
30:39
Traulich, Absatz, 11. Juni, Doppelpunkt. Männlicher Anrufer kommt 20.35 Uhr an, geht um 23.48 Uhr, Punkt. Ruft an am 12., 13., 14., 16. Juni, Punkt. Der Mann wurde beschattet und identifiziert als Benjamino Sacchetti, Lala Court Apportments, North La Brea Avenue, Punkt.
31:02
Auch in dieser Nacht habe ich lange in die Dunkelheit gestarrt.
31:07
Ich hatte einen Mann umgebracht. Für Geld und eine Frau. Und jetzt hatte ich keins von beiden. Die Frau war eine eiskalte Mörderin. Sie hatte mich benutzt, um einen anderen Mann zu bekommen. Und genug in der Hand, um mich zehnmal an den Galgen zu bringen. Und wenn es der Mann wusste, waren es schon zwei. Ich habe an Lola gedacht, wie süß sie war.
31:36
Und was ich ihr angetan hatte. Dann habe ich ihr Alter von meinem abgezogen. Ein Unterschied von 15 Jahren. Dann habe ich gedacht, wenn sie bald 20 wird, sind es ja nur noch 14 Jahre. Dann habe ich mich aufgesetzt und das Licht angeknipst. Ich wusste, was das bedeutet. Ich war in sie verliebt.
32:00
Musik
32:09
Noch ein Glas Wein?
32:11
Nein, danke, Walter. Ich hab wirklich genug. Du magst mich nicht, wa?
32:18
Ich bin verrückt nach dir.
32:20
Ich weiß gar nicht, was ich die letzten Wochen ohne dich gemacht hätte, nur... Nur was? Bist du sicher, dass du es hören willst?
32:30
Lieber hören als raten.
32:33
Es ist wegen Nino.
32:41
Ich glaube, er bedeutet mir immer noch sehr viel.
32:43
Hast du ihn gesehen?
32:48
Er war es nicht.
32:50
Was?
32:51
Er hat es nicht getan. Ich bin den beiden oft hinterhergefahren. Ich war wie von Sinnen. Gestern Nacht hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, sie zu belauschen. Sie sind zur Aussichtsplatte gefahren. Dort haben sie geparkt. Ich bin ihnen nachgeschlichen.
33:08
Sie haben über Geld geredet. Er hat alles ausgegeben, alles für sie, alles, was du ihm gegeben hast. Und seinen Doktor hat er immer noch nicht.
33:14
Ja. Und?
33:17
Begreifst du nicht? Wenn sie es zusammengetan hätten, müsste sie ihm doch Geld geben, oder?
33:24
Sieht so aus.
33:25
Er hat es nicht getan. Sie war es und jetzt kriege ich sie.
33:29
Wie denn?
33:31
Sie prozessiert gegen deine Firma, stimmt's?
33:34
Aber deine Firma braucht sich keine Sorgen zu machen. Ich komme zur Verhandlung und sitze direkt neben dir. Und dann sage ich denen, welche Fragen sie ihr stellen sollen.
33:42
Einen Moment, Lola.
33:43
Die sollen sie fragen, warum sie sich eine Woche vor dem Tod meines Vaters ein schwarzes Kleid gekauft hat. Sie trägt nie schwarz. Ich war im Laden.
33:51
Warte mal, Lola. Solche Sachen können die Phyllis nicht fragen.
33:54
Aber ich... Ich stehe mitten in der Verhandlung auf und frage sie. Ich quetsche es aus ihr heraus. Du wirst sehen, ich bringe sie zum Reden.
34:01
Ich weiß nicht mehr, wann ich den Entschluss gefasst habe, Phyllis zu töten. Mir kam es so vor, als hätte ich die ganze Zeit im Hinterkopf gewusst, dass ich sie töten muss. Weil sie all das über mich wusste. Und die Welt einfach nicht groß genug ist für zwei Menschen, die einander so in der Hand haben. Ich musste schnell handeln.
34:25
Noch bevor der Prozess stattfand. Phyllis, ich muss dich sehen. Ich bin ins Büro gefahren, habe mir die Akte Sarketti herausgelegt, ihr den Wagenschlüssel entnommen, den jeder, der bei uns einen Kredit auf seinen Wagen aufnimmt, hinterlegen muss und mir ein Duplikat anfertigen lassen.
34:43
Wird doch langsam Zeit.
34:45
Du weißt doch, warum es nicht ging. Als nächstes musste ich Phyllis erwischen. Wir müssen uns treffen und ein paar Dinge besprechen, die mit deinem Prozess zu tun haben.
34:53
Und komm dann rüber zu mir.
35:23
Halb eins. Ich bin ein oder zwei Minuten früher da, dann kannst du gleich reinspringen.
35:26
Halb eins, Griffith Park, ich bin da.
35:28
Noch was. Ich habe jetzt einen anderen Wagen. Ein dunkelblaues Ford Coupé.
35:33
Ein dunkelblaues? Sie fand es komisch.
35:38
Und ich wusste warum. Wir waren den ganzen letzten Monat in diesem dunkelblauen Coupé herumgefahren.
35:49
Gegen vier bin ich in den Griffith Park hinaufgefahren und habe einen Plan gemacht. Ich habe eine Stelle für meinen und eine Stelle für Sarkettis Wagen gewählt. Ich habe vorgehabt, sie in den Wagen steigen zu lassen und dann den Berg hinaufzufahren.
36:07
An einer Stelle, an der man parken und übers Tal schauen kann, würde ich anhalten. Und dann würde der Wagen zufällig über den Abgrund rollen, ich würde hinausspringen, auf dem Saumpfad zu meinem Wagen hinunterrennen und nach Hause fahren.
36:23
Wie lange läuft der Film schon? Gegen elf bin ich in ein Kino.
36:26
Er ist gleich aus, Sir.
36:27
Ich habe eine Karte fürs Parkett gekauft und mich vergewissert, dass die Uhrzeit drauf stand.
36:32
Die nächste Vorstellung beginnt um 23.20 Uhr.
36:35
Jetzt brauchte ich nur noch mit der Platzanweiserin zu sprechen und irgendetwas tun, damit sie sich an mich erinnert. Spielt McMurray die ganze Zeit mit?
36:43
Nur im letzten Teil, Sir.
36:45
Heißt das, ich muss bis ein Uhr warten, um ihn zu sehen?
36:51
Ich habe mir meinen Platz zeigen lassen. Dort bin ich eine Minute geblieben und dann durch einen Seitenausgang hinausgeschlüpft. Ich bin zum Griffith Park gefahren. Als ich ankam, war es 23.24 Uhr. Ich habe meinen Wagen abgestellt, bin zum Boulevard gelaufen und habe eine Straßenbahn nach La Brea genommen.
37:12
Ich bin zu den Lilac Court Apartments gelaufen, an Nummer 11 vorbei, Sarkettis Bungalow. Drinnen hat Licht gebrannt. Ich habe den Schlüssel genommen, sein Wagen aufgeschlossen, den Motor gestartet und den Benzinstand kontrolliert. Unterwegs habe ich mir Zeit gelassen.
37:32
Ich bin um 0.18 Uhr wieder am Griffith Park angekommen. Ich habe an Sacketti gedacht und wie ein Alibi nachweisen wollte, er würde keines haben. Gleich hinter den Eisenbahnschienen habe ich gewendet und bin in Riverside Drive hinauf. Ich habe den Motor und die Scheinwerfer abgestellt. Es war genau 0.27 Uhr. Ich habe zu der kleinen Lichtung geschaut. Dort hat kein Wagen gestanden. Sie war nicht gekommen.
38:03
Der Zeiger ist auf 0.30 Uhr gekrochen. Und sie war immer noch nicht da. Verdammt, Phyllis, wo bleibst du denn? Dann gab es einen Blitz. Ich bin nicht der Einzige gewesen, der gemeint hatte, die Welt sei nicht groß genug für zwei Leute, wenn sie so etwas voneinander wissen.
38:31
Die Polizei untersucht die Begleitumstände des Mordanschlags auf Walter Huff, der gestern nach Mitternacht mit einer Kugel in der Brust im Griffith Park bewusstlos am Steuer seines Wagens aufgefunden wurde. Huff ist Versicherungsvertreter und lebt in Los Phyllis Hills. Zwei Personen wurden festgenommen, Lola Nördlinger, 19 und Benjamino Sacchetti, 26. Lola. Als die Polizei am Tatort eintraf... Wieso Lola? versuchten Miss Nördlinger und Mr. Sarketti gerade, Huff aus dem Wagen zu ziehen.
39:03
Ich war doch mit Phyllis.
39:05
Nicht weit entfernt lag eine Pistole, bei der ein Schuss im Magazin fehlte. Es war doch Phyllis. Beide bestritten, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben. Und Sarketti?
39:18
Wieso Sarketti?
39:19
Ihre Brieftasche hat sie gerettet, Huff. Es macht keinen Sinn. Da, wo die Kugel die Lunge gestreift hat, wird es eine Weile bluten, aber... Einfach keinen Sinn. Sie können von Glück sagen, dass es nicht das Herz war.
39:31
Haben Sie die Kugel? Ja. Haben Sie die Frau? Ja.
39:36
Ich muss los, gute Besserung hab. Ich sehe Sie später im Bürokies.
39:42
Ich sage Ihnen jetzt etwas, was Sie noch nicht wissen. Dieser Sacchetti, der Typ, der Ihnen gestern eine Kugel verpasst hat, ist der Mann, den wir im Fall Nördlinger beschattet haben. Nein. Doch. Ich wollte es Ihnen damals sagen, aber Norton wollte alles vor Ihnen geheim halten. Sacchetti ist der Schlüssel zu dem ganzen Fall.
40:03
An dem Tag, an dem sie Nördlinger die Unfallversicherungspolizei brachten, war er in ihrem Büro. Er war dort und das Mädchen auch. Das ist die Verbindung, die uns bisher gefehlt hat.
40:13
Was für eine Verbindung.
40:15
Wir wissen, dass Nördlinger seiner Familie nie etwas von seiner Unfallversicherung erzählt hat. Und trotzdem wusste die Familie davon. Und jetzt wissen wir auch, woher. Und damit haben wir die Verbindung zu dem Mädchen. Zu Lola? Lola?
40:29
Ich kann Sie verstehen, Haff. Sie wollen nicht glauben, dass eine Tochter ihrem Vater sowas antut, aber sowas passiert. Es ist schon oft passiert. Und für 50.000 Dollar wird es noch viele Male passieren. Das glaube ich nicht. Sie werden es glauben, bald. Eines bereitet mir noch Kopfzerbrechen, ein Verbindungsglied. Die wollten Sie töten, weil Sie irgendetwas hätten aussagen können, so viel ist klar. Aber was? Ich...
40:59
Ich weiß es nicht. Es muss etwas geben. Irgendwas, das Sie vergessen haben.
41:04
Es kann nichts geben.
41:06
Es muss etwas geben. Denken Sie darüber nach, Haff. Wir haben Zeit. Sie sind frühestens nächste Woche verhandlungsfähig. Genau das brauchen wir. Ein bisschen Unterstützung durch die Polizei, ein paar Behandlungen mit dem Gummiknüppel und früher oder später packt das saubere Pärchen aus. Vor allem das Mädchen.
41:27
Lola.
41:27
Wir haben ja bald weich gekocht. Alles klappt schon heute Abend. Verzeih mir, Lola. Kies. Ja?
41:37
Stimmt. Da war was. Jetzt, wo Sie davon sprechen. Ich höre, alter Knabe. Ich habe Nördlinger getötet.
42:34
Huff? Ja, Sir.
42:36
Haben Sie das irgendjemandem erzählt?
42:39
Niemand außer Keys.
42:40
Dann können wir wohl anfangen. Erklären Sie es ihm, Keys. Ich warte draußen.
42:53
Es tut mir leid. Ich habe sie irgendwie gemocht.
42:56
Ich weiß. Mir ging es mit Ihnen genauso.
43:01
Sie haben mir vertraut und ich habe sie enttäuscht.
43:03
Reden wir nicht mehr darüber.
43:05
Haben Sie sie gesehen?
43:07
Ja.
43:09
Was hat sie gemeint?
43:10
Ich habe es ihr nicht gesagt. Sie glaubt, Zerketti hat auf sie geschossen. Warum? Eifersucht.
43:16
Oh.
43:18
Sie ist ihnen nachgefahren. Sie hat sie für ihn gehalten.
43:21
Habe ich mir gedacht.
43:23
Mit ihm habe ich auch gesprochen.
43:25
Was hatte er dort zu suchen? Haff.
43:28
Es gibt da eine Geschichte. Ja?
43:32
Sie haben sich mit einer Klapperschlange eingelassen. Sie ist krank.
43:36
Krank?
43:36
Es gibt einen Namen dafür. Sie sollten mehr von diesen modernen Psychologiebüchern lesen, Alf. Ich verstehe kein Wort. Gleich. Sacchetti war nicht in Mrs. Nördlinger verliebt. Nein? Er hat sie gekannt seit Jahren. Sein Vater war Arzt. Er hatte ein Sanatorium in den Verdugo Hills.
43:57
Halben Kilometer von der Klinik entfernt, in der sie als Oberschwester gearbeitet hat.
44:01
Ich erinnere mich.
44:02
In Sarkettis Klinik starben drei Kinder.
44:05
Eine Lungenentzündung.
44:07
Haben Sie von dem Fall gehört?
44:09
Nein. Weiter.
44:11
Sarkettis Vater war der Sündenbock. Nicht bei der Polizei, aber beim Gesundheitsministerium und bei seinen Patienten. Es war sein Ruin.
44:20
Er musste die Klinik verkaufen. Kurz darauf ist er gestorben.
44:24
An Lungenentzündung?
44:25
Nein. Er war alt. Aber Sacchetti Junior hatte ein komisches Gefühl bei der Sache. Die Frau war zu oft in der Klinik seines Vaters gewesen und hatte sich zu intensiv mit diesen Kindern beschäftigt. Aber er hatte keine Beweise. Weiter.
44:42
Zufällig war eines der Kinder mit der ersten Mrs. Nördlinger verwandt. Sie wurde Erbin eines ziemlich großen Vermögens, das sonst das Kind geerbt hätte.
44:50
Und als Mrs. Nördlinger dann starb, erbte ihr Mann...
44:54
Der bald darauf die Krankenschwester geheiratet hat. Verstehe.
44:58
Und die beiden anderen Kinder?
44:59
Diese Kinder mussten sterben, um die Spur zu verwischen.
45:03
Doch, die Frau ist krank. Sie ist wahnsinnig. Sacchetti sagt, er hat fünf weitere Fälle entdeckt, bei denen Patienten starben, als sie Krankenschwester war. Darunter zwei, bei denen sie geerbt hat.
45:12
Alles Lungenentzündung.
45:14
Drei davon.
45:16
Wie hat sie es gemacht?
45:19
Er hat Sacchetti nie herausbekommen. Als die erste Mrs. Nördlinger starb, engagierte Sacchetti ein Detektiv. Er wollte seinen Vater rehabilitieren.
45:28
Dann dachte er sich etwas aus, um in ihr Haus zu kommen. Dort begegnete er Lola. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und damit ging sein Plan in die Binsen. Er wollte Lola nicht ins Unglück stürzen, und da er keine Beweise hatte, blies er die Sache ab. Dann erwischte es Nördlinger. Plötzlich wußte Sarketti, dass er sich an die Frau ranmachen muß, wenn er jemals die Wahrheit herausbekommen wollte. Er brach den Kontakt mit Lola ab.
45:55
Und sagte er nicht mal, warum. Er schlief mit Phyllis, so gut er konnte. Er musste ständig daran denken, Phyllis ist Lolas Vormund. Wenn Lola aber heiratet, wird der Ehemann ihr Vormund. Und das ändert die Eigentumsverhältnisse.
46:07
Und damit wäre Lola die nächste.
46:09
Ja. Und damit kommen wir zu vorgestern Nacht. Lola ist ihm nachgefahren. Das heißt, seinem Wagen. Sacchetti war früh zu Hause. Er hatte eigentlich vor, ins Bett zu gehen. Aber er wurde das Gefühl nicht los, dass an diesem Abend irgendetwas lief.
46:25
Erstens war es merkwürdig, dass Phyllis ihn so früh rausgeworfen hatte. Zweitens hatte sie ihn an diesem Abend einiges zum Griffith Park gefragt, wann dort abends welche Straßen gesperrt werden, was nur heißen konnte, dass sie spätabends dort irgendetwas vorhatte. Er beschloss, zu ihrem Haus zu fahren und sie im Auge zu behalten.
46:44
Als er sah, dass sein Wagen nicht da war, wurde er fast ohnmächtig. Lola besaß einen Schlüssel. Und er wußte, Lola ist die Nächste. Er nahm ein Taxi zum Griffith Park. Er fing an der falschen Ecke an. Dann hörte er den Schuss und rannte los. Er dachte, Lola sei erschossen worden. Dann fand er sie, Huff, im Wagen. Dann kam Lola, sie dachte, Sacchetti sei erschossen worden. Als Lola sah, dass sie es waren, dachte sie, Sacchetti hätte sie erschossen.
47:12
Jetzt ist mir alles klar.
47:14
Sie sind erledigt, Huff. Das weiß ich.
47:19
Wir haben das heute Nachmittag in der Firma besprochen. Ich habe Sie alle überzeugen können, dass der Fall nicht vor Gericht kommen sollte.
47:26
Wie wollen Sie denn sowas vertuschen? Sie können es nicht vertuschen.
47:29
Aber es ist ein Unterschied, ob nur gemeldet wird, dass ein Agent unserer Firma einen Mord begangen hat, oder ob die Sache während eines zweiwöchigen Prozesses in allen Zeitungen, in allen Details ausgeschlachtet wird.
47:42
Ich verstehe.
47:44
Sie werden mir einen Bericht geben, einen Bericht, in dem Sie Ihre Tat bis ins letzte Detail schildern. Und diesen Bericht werden Sie von einem Notar beglaubigen lassen. Dann schicken Sie ihn mir per Einschreiben zu. Nächsten Donnerstag. Nächsten Donnerstag. Bis dahin halten wir alles zurück. Donnerstagabend läuft in San Pedro ein Dampfer nach Balbao aus. Unter einem Namen, den ich Ihnen noch sagen werde, ist dort eine Kabine für Sie reserviert. Am Freitag bekomme ich Ihren Bericht und übergebe ihn sofort der Polizei. Ich habe es an diesem Tag davon erfahren. Deshalb ist Norton rausgegangen. Es gibt keine Zeugen. Und wenn Sie jemals versuchen sollten, mich zu belasten, werde ich leugnen und beweisen, dass es ein solches Abkommen nie gegeben hat.
48:19
Ich werde es nicht versuchen. Wir werden eine Belohnung auf Ihre Festnahme aussetzen und sollten Sie jemals gefasst werden, werden wir alles tun, um Sie an den Galgen zu bringen.
48:28
Ist klar.
48:33
Was ist mit Phyllis? Ich habe mich um Sie gekümmert. Dann bleibt nur noch eins. Kies. Ja? Ja.
48:44
Lola. Ja?
48:48
Weiß Sie das mit mir? Ich habe nichts gesagt.
48:52
Danke.
48:53
Sie haben keinen Grund, sich bei mir zu bedanken.
49:04
Das ist mein Bericht. Ich habe fünf Tage gebraucht. Aber gestern war ich dann soweit.
49:14
Der Krankenpfleger hat ihn per Einschreiben aufgegeben. Vielleicht liest sie ihn eines Tages. Und vielleicht wird sie dann nicht mehr so schlecht über mich denken, wenn sie versteht, wie alles gekommen ist. Gegen 19 Uhr habe ich mich angezogen. Ich habe mich schwach gefühlt, aber ich konnte gehen. Ich habe ein Taxi gerufen und bin zum Hafen gefahren.
49:45
Ich bin gleich ins Bett. Bis heute Nachmittag. Dann bin ich an Deck. Ich habe mich in einen Stuhl gesetzt und hinüber geschaut. Zur mexikanischen Küste.
49:58
Du?
49:58
Dann hörte ich, wie jemand im Stuhl neben mir nach Luft schnappte. Hallo, Phyllis.
50:05
Dein Kies ist dir ein richtiger Heiratsvermittler?
50:08
Oh ja. Er hat eine romantische Ader.
50:13
Gut, dass wir unter verschiedenen Namen da sind.
50:17
Du scheinst dir keine Sorgen zu machen.
50:20
Ich habe gerade an etwas gedacht.
50:22
Sie hat das süßeste, traurigste Lächeln gelächelt, das ich je gesehen habe. Ich habe an die fünf Patienten gedacht. An die drei kleinen Kinder. An Mrs. Nördlinger, Mr. Nördlinger und...
50:43
An mich. An was hast du denn gedacht?
50:46
Wir könnten verheiratet sein, Walter.
50:49
Ja. Das könnten wir. Und was dann? Ich weiß nicht, wie lange wir da gesessen und aufs Meer geschaut haben.
50:57
Wir haben nichts mehr vor uns, Walter, oder?
51:02
Nein. Nichts.
51:06
Es ist so weit.
51:08
Was? Was?
51:14
Ich begegne meinem Bräutigam, dem einzigen, den ich je geliebt habe. Eines Nachts werde ich über Bord fallen. Und dann werde ich spüren, wie seine eisigen Finger immer tiefer in mein Herz dringen.
51:32
Ich werde dein Brautvater sein.
51:34
Du?
51:36
Ich gehe mit dir.
51:38
Kommen Sie! Mehr bleibt uns nicht übrig, oder?
51:44
Möchten Sie ihn sehen?
51:46
Wen?
51:48
Den Hai. Schwimmt hinter uns her. Seit Stunden.
51:52
Später.
51:55
Wir müssen warten, bis der Mond aufgeht. Ich will diese Flosse sehen. Diese schwarze Rückenflosse. Wie sie im Mondlicht das Wasser zerteilt.
52:07
Der Kapitän weiß, wer wir sind.
52:11
Ich habe es ihm angesehen, als es im Funkraum kam. Es muss heute Nacht geschehen. Sicher lässt er uns bewachen, bevor ein Hafen anläuft. Ich schreibe in meiner Kabine. Es ist halb zehn. Sie macht sich bereit in ihrer Kabine.
52:43
Sie hat sich das Gesicht geschminkt, weiß, mit schwarzen Ringen unter den Augen und rot auf den Lippen. Sie trägt dieses rote Stück Seide. Ich habe nicht gehört, wie sie die Tür geöffnet hat. Aber jetzt ist sie neben mir.
53:13
Während ich schreibe, ich spüre sie.
53:14
Der Mond. Der Mond.
53:37
Doppelte Abfindung. Kriminalhörspiel nach dem Roman Double Indemnity von James M. Cain. Aus dem Amerikanischen von Sabine Hübner. Es sprachen Walter Huff, Andreas Grotga. Phyllis Nördlinger, Naomi Kraus. Lola Nördlinger, Karina Plachetka. Kies, Manfred Zapatka.
54:01
In weiteren Rollen Andreas Erfurt, Fred Grätz, Gerd Grasse, Max Hopp, Shelley Kupferberg, Markus Mayer, Olaf Öhlström und Katharina Zapatka. Schnitt Hermann Leppich. Ton Alexander Brennecke. Regieassistenz Gabriele Figge. Hörspielbearbeitung und Regie Norbert Schäffer. Produktion Deutschlandradio Berlin 2002.
54:28
Und jetzt noch ein Programmtipp. Damit der grausame König Shahriar sie nicht tötet, erzählt die mutige Shahrazad jede Nacht.
54:38
Von Verliebten und Verrückten.
54:40
Ich werde einen Pferdesattel aus purem Gold schmieden lassen. Ich werde ihn mit kostbaren Edelsteinen besetzen lassen. Meereswesen und sprechenden Tieren.
54:49
Na du, wie ist denn dein Name? Oh, mein Name ist Esel.
54:53
Von Bagdad, Persien und China. Und immer an der spannendsten Stelle unterbricht Scheherazade ihre Geschichte.
55:03
Tausend und eine Nacht. Staffel 2. Mit 55 neuen Nächten. Alle Folgen gibt es in der Deutschlandfunk-App. Elf Leila Walayla. Shahrazad erzählt um ihr Leben. Und wir hören zu.